Curioses

Die Frenzelgalerie (Porträts)

 

Obwohl das Äussere Frenzels unbekannt, haben doch immer wieder die verschiedensten Künstler versucht ein Bildnis von ihm anzufertigen. Aufällig daran ist nur … die Ähnlichkeit der einzelnen Darstellungen.

Hat jeder von jedem kopiert ? Oder gab / gibt es doch ein gemeinsames Vorbild? Überzeugen Sie sich selbst …

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 Frenzel-Porträt: Michael Fuchs (Bleistiftzeichnung)

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„Frenzel bey der Ernte“ Gerd Pechstein
(Federzeichnung)

Aus dem Weindeputat

 

Diese Sammlung umfasst die wichtigsten Stücke aus einer umstrittenen Schaffensperiode Frenzels: Es gibt vereinzelte Hinweise, dass dem Komponisten ein Weindeputat „von einem halben Eimer besten Weines“ (knapp 30 Liter) in einem bedeutenden Stift in Niederösterreich zuerkannt wurde. Die Meinungen über diesen nicht dokumentierten Zeitabschnitt gehen auseinander. Dies beginnt bei der Frage, um welches Stift es sich gehandelt haben könnte; bisher wurden Klosterneuburg und Heiligenkkreuz in Niederösterreich genannt, möglicherweise sind auch andere Klöster in Betracht zu ziehen.

content_bild_kuriosesF. Schwehla hat in seinem vielbeachteten Aufsatz „Macht der Stille – über die Pausensetzung bei Frenzel“ im Zusammenhang mit dem Weindeputat geschrieben, es wäre ziemlich unwahrscheinlich, „dass Frenzel täglich derartige Weinmengen konsumieren konnte. Die müsste mit fortschreitender Dauer in der Pausenordnung gravierende Veränderungen hervorgerufen haben, was jedoch nicht feststellbar ist.“ Skepsis zeigt auch Schrapfeneder, der unter Bezug auf die Hektarerträge im Weinbau des 18. Jahrhunderts nachweist, dass ein Weindeputat in derartigem Umfang praktisch der Ernte eines ganzen Jahres gleichgekommen wäre.

F. Katt hält hingegen an der Theorie vom Weindeputat, der Grundlage für das 1.Kattsche Axiom, fest und erklärt damit schlüssig die harmonische und rhythmische Konzeption einiger wichtiger Frenzel-Werke. Das 1. Kattsche Axiom lautet: Am 1. Dezember 1776 wurde Franz Xaver Frenzel im Stift Klosterneuburg mit einem Weindeputat von mehreren Litern besten Weines täglich für seine kompositorische Tätigkeit honoriert. Die Menge des von Frenzel tatsächlich konsumierten Weines entspricht dem Produkt aus komponierter Taktanzahl und dem Quadrat der darin enthaltenen Noten (W = tn“). Die Weinkonsumation dauerte ununterbrochen bis zum 28. September 1806. Die Periode des „Weindeputats“ erstreckt sich von den Stücken für Trompete und Orgel, die den Anfang markieren, bis zu den „Stainprunner Codices“, genauer gesagt dem „Fluchtmenuett“, das den von Frenzel selbst gewählten Schlussstrich unter diesem Abschnitt darstellt.

Sonata in Swing (Concert in G-Dur)

 

Nach Katt ist dies eines der Hauptwerke der Weindeputats-Periode. In entrücktem Zustand nimmt Frenzel im Herbst 1797 den gleichmäßigen Takt der Drescher in den Wirtschaftsgebäuden des Stiftes wahr. Aus dem mitreißenden Gefühl des Stampfenden entwickelt er eine vage Vorstellung synkopenhafter Tanzschritte und Sprünge, die er in berauschtem Zustand zu Papier bringt und damit ein Meisterwerk schafft, das die Harmonie und Rhythmik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorwegnimmt.

Ab den späten 60er bis in die 80er Jahren versuchten einige Musiker die Weindeputats-Periode Frenzels zu imitieren und durch Einnahme von Rauschmitteln musikalische Kunstwerke der Zukunft zu schaffen. Dabei orientierten sie sich auch an Motiven, die eindeutig belegbar von Frenzel stammen. Die zweifellos berühmteste Cover-Version eines Frenzel-Motives ist der Beatles-Song „Lady Madonna“. Ein endgültiges Urteil über diese Experimente wird man wohl erst in rund 200 jahre abgeben.

Stainprunner Codices

 

Unter diesem Titel hat Frenzel selbst verschiedene kürzere Stücke zusammengeführt, die er ursprünglich als Gelegenheitskompositionen ohne äußeren Rahmen geschaffen hat.

Die Bezeichnug „Stainprunner codices“ ist ein Zufallsprodukt. Seit sich F. Cikanek ausführlich mit Frenzels Tagebüchern auseinandergesetzt hat, ist bekannt, daß der Meister die Jahreswende 1805/06 in Niederösterreich, im heutigen Steinabrunn (Weinviertel) verbrachte. Zu diesem Zeitpunkt schloß er die Arbeiten ab und gab der Sammlung ihren Namen. Als Frenzel kurz darauf ernüchtert war, verließ er fluchtartig das Weinviertel und beendete damit, wie F. Katt meint, die Periode des „Weindeputats“.

Unmittelbar vor der Abreise schrieb Frenzel für seine Gastgeber ein Menuett, dessen Uraufführung bei klirrender Kälte im Freien aber gänzlich mißlang, weil ein heftiger Wind die Notenblätter von den Pulten wehte. Die Musiker beendeten teils abrupt ihr Spiel und versuchten, die davonfliegenden Blätter einzufangen und sich in warme Räume zu begeben.

Frenzel hat diese Situation für die Nachwelt festgehalten, indem er die einzelnen Stimmen dort abschloß, wo sie durch höhere Gewalt bei der Uraufführung endeten. Das Stück nannte er – in Anspielung an seine eilige Abreise und die Situation bei der Uraufführung – „Fluchtmenuett“ und fügte es als letztes Stück den „Stainprunner codices“ an.

Die von H. Ziolkowski festgehaltene Anekdote, wonach der Titel und die eigenwillige Form des Werkes durch ein amouröses Abenteuer des Komponisten zu erklären wären, ist von hohem Unterhaltungswert, musikhistorisch aber unhaltbar. Ziolkowsis Kritik an Frenzel, es wäre doch sinnvoller gewesen, die Flucht mit einer Fuge zu untermalen, entbehrt zwar nicht des Witzes, hat aber angesichts der wahren Umstände, unter denen das Werk zustande gekommen ist, eher legendenhaften Charakter.Steinabr.1

Konzerte für Trompete und Orgel

 

Die Konzerte für Trompete und Orgel sind ein schicksalhafter Wendepunkt in der Entwicklung des Komponisten Franz Xaver Frenzel: Im Sommer 1796 erhielt er als gereifter Tonkünstler Kompositionsaufträge des Klosters Heiligenkreuz in Niederösterreich. Diesen Aufträgen waren lose Kontakte mit den Mönchen vorausgegangen, die ihn über Empfehlung des Fürsterzbischofes von Salzburg seit dem Frühjahr 1773 in unregelmäßigen Abständen beherbergten, wofür Frenzel verschiedene kleinere, größtenteils leider verlorengegangene Kompositionen für festliche Gottesdienste schuf. Noch im August 1796 begann Frenzel mit ersten Vorstudien für das Weihnachtskonzert, das er ursprünglich für 6 Fanfaren konzipierte. Die Realisierung scheiterte, weil das Kloster in den wenigen Jahren nach dem Tod Josefs II. noch immer nicht an den früher üblichen Pomp und Prunk der Festgottesdienste anschließen konnte. So fanden sich weder die erforderlichen Instrumente, noch die Musiker, und Frenzel war gezwungen, zu einer Notlösung zu greifen und das Stück für Trompete und Orgel zu instrumentieren.

Um mit dieser „Sparversion“ trotzdem eine optimale Klangwirkung zu erzielen, schrieb er noch im September an den Kölner Domtrompeter Sebastian Leisentritt und bat ihn, nach Heiligenkreuz zu reisen, um am 25. Dezember beim Hochamt den Tropetenpart übernehmen zu können. Der alte Leisentritt hatte erhebliche Schwierigkeiten, das Domkapitel davon zu überzeugen, daß seine Anwesenheit in Köln zu Weihnachten nicht unbedingt erforderlich sein werde. Mitte November erhielt er nach zahlreichen Gesuchen endlich Urlaub und konnte die Reise nach Heiligenkreuz antreten.

Frenzel war mittlerweile nicht untätig gewesen und konnte dank seiner enormen Erfahrung und Inspiration die Arbeit am „Weihnachtskonzert“ am 26. November 1796 abschließen. Am Abend des 28. November erfolgte eine Aprobationsaufführung, wobei Frenzel selbst an der Orgel saß und die Trompetenstimme mit der linken Hand mitspielte.

Trotz der äußerst behelfsmäßigen Darbietung waren die Mönche nahezu einhellig begeistert, Kritik kam nur von jenen (wenigen), die sich mit der Josefinischen Reform identifiziert hatten. Aufgrund des Erfolges und der zeitlichen Abläufe kommt Katt zur Ansicht, das Weindeputat habe ab 1. Dezember 1796 bestanden und wäre als Entlohnung Frenzels für seine kompositorische Tätigkeit eingerichtet worden. Gleichzeitig wäre damit die Absicht verbunden gewesen, Frenzel an das Stift zu binden und sein Schaffen für die Kirchenmusik zu erhalten.

Unmittelbar im Anschluß an das „Weihnachtskonzert“ schrieb Frenzel noch einige Konzert für Trompet und Orgel, die er mit Sebastian Leisentritt aufführen wollte. Bis auf das „Geburtstagskonzert“ sind diese Stücke jedoch alle verschollen und über die Aufführungen gibt es keine Zeugnisse.

Sinfonia Concertante in g

 

Unter dem direkten Einfluß des Studiums von Concerti Grossi des rund 100 jahre früher verstorbenen Arcangelo Corelli skizzierte Frenzel etwa 1770 lange Passagen eines Solostückes für Cembalo, konnte sich aber nicht entschließen, dem Werk eine endgültige, aufführbare Form zu geben. 1776 lag noch immer nur die Stimme für Cembalo vor, als Frenzel in Udine während einer intensiven, aber kurzen persönlichen Beziehung mit der Frau eines angesehenen Venezianers von einem für ihn ehrenvollen Kompositionsauftrag für ein Streichorchester überrascht wurde.
In dieser Lage entsann sich Frenzel seines unfertigen Entwurfes, den er in aller Eile und teilweise unkonzentriert aufführungsfähig machte, wobei er Flüchtigkeitsfehler durchaus bewußt hinnahm, in der Absicht, das Werk später noch einmal zu überarbeiten.

Wenige Tage nach der Uraufführung reiste Frenzel aus unbekannten Gründen überstürzt aus Udine ab, wobei er vergaß, eine Abschrift der Orchesterfassung mit sich zu nehmen. Die ursprünglich geplante Überarbeitung unterblieb, und das Werk ist uns als kaum beschliffener Rohdiamant erhalten geblieben.

Trotz oder gerade wegen aller seiner Unzulänglichkeiten ist die Sinfonia Concertante in g ein Beispiel für die nahezu geniale Art, mit der Frenzel Orchestereffekte bewußt einzusetzen versteht und durch immer neue Klangfarben überrascht.

Eyne Wasser- und Jagdsymphonie

für großes und kleines Orchester

Das Werk stammt aus den Anfängen einer äußerst bewegten Periode. Aus verschiedenen Briefen wissen wir, dass Frenzel ab 1771 vermutlich zwischen Pressburg und Paris gänzlich ruhelos umherzog.

Zusammentreffen mit Goethe in Wetzlar 1772 und mit Mozart in Salzburg 1773 finden zum Teil unmittelbaren Niederschlag in Frenzels Schaffen. Gerade Mozart dürften durch sein Beispiel Frenzels Interesse für symphonische Form geweckt haben. Gleichzeitig hat der Umstand, dass Mozart auf seiner italienischen Reise gerade einen hohen päpstlichen Orden erhalten hatte, zu einer gewissen Rückbesinnung Frenzels auf seine Wurzeln in der Kirchenmusik geführt.

Johann Gottfried Keller hat 1788 die „Wasser- und Jagdsymphonie“ in der Form gehört, wie sie bis auf uns gekommen ist. Die Instrumentierung läßt erkennen, dass Frenzel bereits voll die Formatierung des Orchesterklangbildes durch die großen barocken Festsäle der einflussreichen europäischen Herrscherhäuser nutzte und die ursprünglichen Freiluftaufführungen nur mehr in Ausnahmefällen stattfanden.

Trotzdem hat Frenzel die Untertitel zum zweiten, dritten und vierten Satz entgegen der endgültigen Aufführungspraxis zumindest zum Teil unverändert aus der Originalfassung übernommen und dadurch bewußt aus dem Konzertsaal heraus den Kontakt zur freien Natur aufrecht erhalten. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass er mit einigen musikalischen Ideen sehr persönliche Erinnerungen assoziierte, etwa die an seine Cousine Marie-Luise, die er 1772 kennenlernte. Sie dürfte es sein, die er durch das „Nixen-Motiv“ im zweiten und dritten Satz der Nachwelt überlieferte.

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Streichersinfonie in F

Die Streichersinfonie in F-Dur war Frenzels Versuch, die kompositorischen Schwächen der für ihn verlorengegangenen Sinfonia Concertante in g vergessen zu machen und ein Meisterwerk zu schaffen, das seiner Absicht nach auch in ferner musikgeschichtlicher Zukunft seine Bedeutung nicht verlieren sollte. Aus für uns unbekannten Gründen wurde aber das Werk in Au (Oberösterreich) geschriebene und in Linz uraufgeführte Werk von den meisten einflußreichen Zeitgenossen radikal abgelehnt.
Wahrscheinlich aufgrund des Mißerfolges verschloß der verbitterte Frenzel die Noten in einem Geheimfach seines Schreibtisches, wo sie 1976 durch einen Restaurator entdeckt urden. Der zufällig anwesende Friedemann Katt ordnete das Werk mit treffsicherem Kenner-Urteil dem Franz Xaver Frenzel zu und nahm die wertvollen Blätter an sich.
Das Zusammentreffen zweier Zufälle – Katts mangelnde Sorgfalt im Umgang mit Notenmaterial und die Ungeschicklichkeit eines Boten – führten dazu, dass ein für die Druckerei bestimmtes Notenkonvolut von frühen Frenzel-Werken, darunter die Streichersinfonie, zu Boden fiel und durch den sachunkundigen Transporteur mit Notenblättern von Katt „durchmengt“ wurde, die dieser achtlos zu Boden geworfen hatte.
Der Irrtum war vor der Drucklegung nicht mehr rückgängig zu machen. Das Werk, nach dem Erscheinen ursprünglich für ein Meisterwerk von Katt gehalten, wird nun einhellig dem Franz Xaver Frenzel zugeschrieben. Auch Katt selbst vertritt diese Auffassung, das er nicht mehr in der Lage ist, eine Grenzziehung zwischen den einzelnen Werkteilen vorzunehmen.
Mit der gelungenen Antizipation von Elementen des 20. Jahrhunderts in Harmonie und Rhythmus hat Frenzel sein Ziel erreicht und der Musikwelt ein zukunftsweisendes Stück hinterlassen.

Orgeltänze

Schon 1771 und 1772 hat Frenzel gelegentlich Orgeltänze komponiert. Den überwiegenden Teil dieser kleinen, sakral induzierten Stücke schrieb Frenzel jedoch nahezu unmittelbar hintereinander auf Ratschlag seines Beichtvaters, des Mönches Arbogast Paracelsus Irrberger.

Dieser war ein bekannter Arzt und Mystiker und gilt unter Kennern als Vorläufer der modernen Psychotherapie. Irrberger erkannte die Schuldneurose, an der Frenzel durch seine Abwendung von der sakralen Musik litt. Als therapeutische Maßnahme empfahl er daher die Komposition von profanen Tänzen für das sakralste aller Musikinstrumente, nämlich die Orgel.

Concerto für Tenorhorn und Streichorchester

Wie in einem seiner wenigen erhaltenen Briefen sehr heftig beklagt, bekam Fran Xaver Frenzel nur allzu selten Urlaub vom Stift Heiligenkeuz, um seine musikalischen Reisen zu unternehem. Konnte er sich dann aber endlich vom Orgeldienst befreien und war „kompositorisch“ unterwegs, gab es für ihn immer wieder äußerst interessante Begegnungen. In diesem Falle mit einem recht ungewöhnlichen Instrument: es war eine umgebaute Ophikleide aus Metall, die ein kunstfertiger Instrumentenmacher mit sinnreichen Klappen versehen hatte.

Gespielt wurde dieses „Baryton“ von einem sehr jungen, begabten Musikus. Dieser musizierte darauf so virtuos, dass Frenzel ganz entzückt ausrief: „er spielet ja wie auf eyner Clarinetten“ und ihm darauf gleich ein ganzes Concerto widmete. „Forte, piano and groovy“, so steht es in der Originalhandschrift.

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