Das Zeitalter des Neo-Barock

. . . natürlich, das ist unverkennbar „barocker Frenzel“, nicken die Kulturspezialisten  (Kurier)

. . . eine Mischung aus modernen, swingenden Rhythmen, um die sich barocke Anklänge kunstvoll ranken, oder umgekehrt: Altes und Neues verbindet sich bei F. X. Frenzel stets zu einer harmonischen Symbiose, die jegliche, zuweilen im einen oder anderen schwelenden Angst vor zeitgenössischer Musik im Keim erstickt. Es ist klare, konkrete Musik, der eingängige Rythmen und Melodiene den Weg in Ohr und Herz ebnen. (Karin Schütze, OÖ-Nachrichten)

. . . auch in seinem Violinkonzert in A-Dur, dem prominenten philharmonischen Geiger Clemens Hellsberg gewidmet, hetzt er den Solisten und die Musiker durch Formelstücke und Kadenzen aus dem Reich der alten Musik, mit einiger Ironie und jedenfalls sehr erfindungsreich kombiniert. Man kann darüber lachen oder auch tiefgründig sinnieren, ob so etwas nicht auch ein Signal für etwas ist: für eine kopf-bezogen fehlgeleitete Avantgarde, sagen die einen, für mangelndes Musikverständnis breiter Publikumsschichten die anderen. Das in diesem Konzert uraufgeführte Stück von „Franz Xaver Frenzel“ zeigt Indizien für etwas ganz anderes: Diese Musik steuert in Richtung postmoderner Umdeutung . . . (Reinhard Kriechbaum, Drehpunkt Kultur)

. . . Traumtänzer auf Saiten des Musikuniversums! Bizarr und spanndend! Katt, alias Frenzel spielt auf technisch beachtlichem Niveau mit verschiedenen Stilen und kombiniert barocke Polyphonie mit romantischer Klangpracht und swingenden Rhythmen von heute, dabei versteht er seine Musik im Sinne des fantastischen Realismus. . . (Michael Wruss OÖ-Nachrichten)

. . . denn die Stücke Frenzels sind brüchig, der Genuß liegt in der grenzüberschreitenden Partie der Stücke, wo er mittels Zeitmaschine zwei Jahrhunderte weit in die Zukunft reist . . . (Dr. C. Knotig, Ö-Musikzeitschrift)

. . . womit er wohl auf ein typisches Lebensgefühl aufmerksam machen will: Barockes Leben. (Dr. Walter Dobner, Presse)

. . . ergötzte und amüsierte Zuhörer (Salzburger Nachrichten)

. . . und weder um seine künstlerische Identität braucht ihm dabei zu bangen,noch vor dem Vorwurf der Avantgardefeindlichkeit – es ist einfach die Freiheit es anders zu machen. (Klaus Khittel, Wochenpresse)

. . . ehrliche Glückwünsche zu ihrer Schallplatte, die mir beim Abhören sehr gefallen hat. Ich finde nicht nur die Idee köstlich sondern auch die Realisierung ganz ausgezeichnet. (Karl Löbl, ORF)

. . . ein musikalischer Spaß, der nach dem „Mozartschem“ Vorbild durchaus ernst genommen werden kann: das hat im thematischen Einfall und in der polyphonen Stimmenführung Stil……. und eine reine Gaudee eine „Streichersinfonie“: da scheint der höchst progressive Frenzel in Harmonie und Rhythmik schon Britten und Hindemith vage vorauszuahnen, auch einen Grieg, aber einen, der aus Holbergs Zeit komponieren wollte. Und es gehört eine Menge Begabung dazu, im Violinsolo des Adagios so herzzereißend ein Air von Bach zu flunkern! (Fritz Walden)

. . . Mauricio Kagel meinte einmal, dass heute viele Komponisten nur mehr für Komponisten komponieren. Ganz anders verhält es sich beim einzigen noch lebenden, österreichischen Barockkomponisten Franz Xaver Frenzel vulgo Friedemann Katt. Katt komponiert mit fast allen großen Komponisten der Musikgeschichte und dies nicht nur barock! Eindrucksvoll nachzuhören bei einer Aufführung seines Engelsoratoriums im Alten Dom. Von Gabrieli, über Bach, Händel, Mozart bis hin zu Webber ruft sich Katt allerlei Klangzeugen in sein kreatives Universum und schafft dabei ein höchst originelles großes Oratorium. Nicht um erfolgsund emotionsge-sichertes Montieren geht es hier! Nein, es ist ein brilliant bewusstes „Neu-Nachschöpfen“, auf tiefspirituellem Urgrund Rilke, Psalmen, die Bibel geben das Wortmaterial! (Norbert Trawöger – Kronenzeitung)

. . . er ist ein durchaus „zeitgenössischer“ Komponist, dessen Werke Anklang finden – schließlich ist Katt ein ernstzunehmender Musiker, der sein Handwerk gelernt hat, und einfach gute Musik macht . . . (Eva Stadler, Madame)

. . . man könnte ihn wohl mit Recht als einer der Größten unter den Kleinmeistern des Spätbarocks bezeichnen ( Siegfried Nouschak nach der Uraufführung der ersten Trompetenstücke in einem Gespräch mit den Heiligenkreuzer Patres)

. . . Fachleute halten wiederholt seine Stücke für Werke eines unbekannten Meisters und werden erst stutzig, wenn die Musik leicht zu swingen beginnt . . .  (Kronenzeitung)

. . . Die Wiedergabe des uraufgeführten c-moll-Klavierkonzertes zeigte starke Wirkung. Die Partitur verwendet vordergründig den Wortschatz der alten Meister. Aber im Lauf der Entfaltung riskiert sie stilistische und melodische Seitenblicke bis zur Gegenwart herauf: ein wohlgelungenes Ganzes mit drei deutlich formulierten Sätzen, welche mit ihrem ganzen Inhalt auf das Publikum zugehen. Hervorragend instrumentiert . . . (Franz Zamazal, OÖ-Nachrichten)

Auszug aus dem Brief von Dr. Clemens Hellsberg, das Violinkonzert betreffend: „. . . und ich hoffe, Du hast bemerkt, wie gut es mir gefallen hat. Natürlich bin ich sehr stolz darauf, Widmungsträger eines Werkes zu sein, das in derart gelungener Weise Tiefgang mit Unterhaltung, Phantasie mit formaler Klarheit und kompositionstechnische Souveränität mit Gefühl für das Instrument verbindet und das dem Geiger Gelegenheit gibt, eine Technik zu präsentieren, die nicht l´art pour l´art ist, sondern manueller und geistiger Leichtigkeit bedarf und reizvolle Anforderungen an Ton und Musikalität stellt.“

 

 

Über den Stil der Musik

Bei aller Divergenz der möglichen Standpunkte in der Stellungnahme zu künstlerischen Aussageformen mag ein Aspekt in der Begegnung mit Friedemann Katts kompositorischer Sprache eine ‚phänomenologische’ Überlegung triftig erscheinen lassen. Die Sache selbst: eine mehrere Stile einbeziehende Kompositionsform. Sie bewirkt noch nicht den Anspruch, als originäre Schöpfung deklariert zu werden.

Im OEuvre Katts begegnet jedoch eine musikalische Sprache, deren Vornehmheit und Kultur einem enzyklopädistischen Geist entspringt.Die stilistischen Mittel liegen jeweils im Bereich des durchaus „Vertrauten“, aber Katt entfaltet daraus einen solchen Schwung, dass etwas Elektrisierendes daraus wird – Ausdruck einer modernen Vitalität innerhalb des klassischen Stilwillens.

Gleichen  musikalische Erneuerungsbewegungen des 20. Jahrhunderts mitunter einem „Monolog“, mit dem sich Komponisten in einer oft rätselhaften Weise ausdrücken, die jedoch authentisch wirkt und betroffen macht, so führt etwa der Neoklassizismus einen spannenden Dialog mit der Geschichte. Der Neoklassizismus ist als eine „Musik über Musik“ beschrieben worden, die denkbar eng an historische Musik anschließt, den historischen Vergleich herausfordert, ihm standhalten will oder auch historische Musik und neuartig frisch erfahrbar macht.  So spielt – um die konkrete Thematik wieder aufzugreifen –der Rieder Komponist Friedemann Katt mit Traditionen, er zerstört sie nicht, sondern erweitert sie. – Katt bezieht sich in einer unerschöpflichen Fülle an Möglichkeiten auf das „Ganze“ der Musikgeschichte, aus der keine Epoche ausgegrenzt wird. Der enge Anschluss an die Tradition kann ganz unterschiedliche Formen annehmen und sowohl eine Affinität als auch eine Distanz zu historischer Musik ausdrücken. Das Anspielen auf historische Formen und Satztechniken wird in Katts Kompositionen auch durch demonstrativ historisch wirkende thematisch-motivische Erfindungen spürbar sowie durch  übersichtlich gestaltete Formabläufe. Mit der Verfremdung historischer Techniken und Formen werden eingeschliffene Hörgewohnheiten unterlaufen, um sie aufs Neue zu stimulieren. Katt erzielt neue musikalische Wirkungen mit Mitteln historischer Musik. Es geht um ein Komponieren „im“ alten Stil – nicht um ein Komponieren „mit“ dem Stil einer älteren und vergangenen Musik. Es handelt sich dabei um eine polystilistische Kompositionsform, keineswegs um reaktionär-epigonale, unwahre Musik mit Stilmaskeraden ohne Substanz.

Damit ist es auch gelungen, das Interesse für Pluralismus in der musikalischen Stilvielfalt zu wecken und die Aufmerksamkeit eines breiteren Publikums anzusprechen. Wie sich selbst, so hat er seine Kunst frei und unberührt zu halten gewusst von der Krise im europäischen Geistesleben, die sich auf musikalischem Gebiet vor allem durch die tiefgreifende Entfremdung zwischen Publikum und schöpferischem Musiker ausspricht. Eine Krise, die überwunden werden muss, soll ein lebendiges Musikleben weiterbestehen. (Prof. Franz Danksagmüller)

 

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