Ein Sonderfall der Musikgeschichte

. . . ist dieser Franz Xaver Frenzel zweifellos, von dem man nicht einmal genau weiß, ob sein Name und der des Komponisten dieser wirklich außergewöhnlichen Konzerte, Sonaten und Symphonien identisch sind. Nur der auf einigen Titelblättern der Originalpartituren hin- gekritzelte Namenszug „Franz Xaver Frenzel“ könnte auf die Autorenschaft eines Mannes dieses Namens hinweisen. Der im besten Sinne barocker Musiktradition Komponierende bleibt bei seinen Werken für Orgel und Trompete zwar noch ganz im Rahmen des Zeitgeistes, läßt jedoch in seinen weiteren Kompositionen ganze Teile rhythmisch und melodisch aus dem Rahmen und aus der Zeit fallen, so als wäre er – um einen Gedanken aus der Science-Fiction-Literatur zu gebrauchen – mittels Zeitmaschine zwei Jahrhunderte weit in die Zukunft gereist und habe sich da Anregungen für einen neuen „Sound“ geholt.

Was seinen Entdecker und Herausgeber Katt veranlaßte, dem augenfällisgsten Beispiel dieser kompositorischen Exentrik, der Sonate für Oboe und Violine, den Beinamen „Sonata in Swing“ zu geben. Das erstaunliche dabei ist, dass diese Anachronismen den Werken nichts von ihrer Schönheit nehmen; sie scheinen zu „passen“, ja erhöhen noch den Reiz des durchaus barocken Ganzen.

Ungewöhnlich wie die Werke ist ihre Auffindung. Friedemann Katt wohnte als junger Kompositions-student im Zisterzienser-Stift Heiligenkreuz. Auf der Suche nach geeignetem Notenmaterial für sich als Organisten und seinen Trompete spielenden Musikerkollegen stieß er auf Frenzels Kompositionen. Und in dem Maße, in dem der Kreis der Musizierenden sich erweiterte, wurde Katt fündig.

Ganz im Sinne der barocken Gebrauchsmusik kamen diese erstaunlichen Werke nach und nach zur Aufführung und fanden Anklang. Nur dass Konzert-Initiator Katt nicht selbst komponierte, sondern jedesmal seinen Franz Xaver Frenzel in die Bresche springen ließ.

Dank Friedemann Katts Editionsarbeit kann der „Sonderfall“ Frenzel über das Medium Internet nun der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Diese Concerte und Sonaten eines – bis auf den Namen – barocken Anonymus werden beim Zuhörer denselben Effekt hervorrufen wie bei den ersten Zuhörern damals in Heiligenkreuz:  „Mehr von Franz Xaver Frenzel!“

Franz Schrapfeneder

CD-Empfehlung des Monats:

F. X. Frenzel: Concerto für 2 Streichquartette
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Aktuelles

Videos

Franz Xaver Frenzel: Allegro aus dem Weihnachtskonzert

Trompete: Karl Steininger
Orgel: Friedemann Katt
Fotos: Eva Fuchs, Dieter Böhm, Angela Katt

Franz Xaver Frenzel: Klavierkonzert c-moll

Maki Namekawa

Ausschnitte, CD-Präsentation Lions/Ried, Maki Namekawa (Klavier), Festival Sinfonietta Linz, Leitung: Johannes Wildner.

Photos: P. Beer / A. H. Bitesnich / R. Kloibhofer.